Blog - Science & Conferences

 

 

Archangelsk, Photo: G. Ziethen, 2008

 

 

1. INFO: Kindly to inform about International Conference, August 24 - September 7, 2019: "Maritime Bilder in Sprache, Literatur und Kunst", Northern (Arctic) Federal University, named after M. V. Lomonossow, Arkhangelsk. Further information: www.narfu.ru/en
https://narfu.ru/en/studies/schools/sommerschule-fur-interkulturellen-wissenstransfer-2019/


2. Essays / Lecture

2.1. Auf der anderen Seite des Meeres - Archäologische und historische Betrachtungen zum Kulturtransfer

2.2. Am grauen Meer - die literarische Welt Theodor Storms (1817-1888)

2.3. Blog:  "Tiefe Wasser"

2.4. Leseprobe: Die Farben von Archangelsk. Ein Besuch im Atelier des Malers Vsevolod  Vidyakin


Alle Texte zugänglich unter dem Link / access to the files:

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3. BlogTIEFE WASSER: Text mit freier Kommentarfunktion zugänglich unter

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Datum: 22.08.2019
Freigabe: 22.08.2019-31.12.2019

Blog unter https://drive.google.com/drive/folders/1zi4FoURbpE9f-fsC4GJke3Em7gb1LAAi?usp=sharing

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TIEFE WASSER

Die Beschäftigung mit der literarischen Ausgestaltung maritimer Erfahrungen steht im Mittelpunkt dieser Tagung. Daraus ergibt sich angesichts der aktuellen Ereignisse unserer Zeit zwangsläufig die Frage, ob wir uns als Historiker und Literaturwissenschaftler angesichts der dramatischen Ereignisse im Mittelmeerraum in unserem Denken auf die literarischen Studien beschränken sollen oder ob wir mit Blick auf die Fülle unserer Quellen und Texte Position beziehen mit Blick auf die zeitgleichen aktuellen Ereignisse. Gibt es Formen künstlerischer Annäherung an die Dramatik eines Ausgeliefertseins gegenüber den Elementen. Stehen die Elemente, in diesem Fall das Wasser, auch in unserer Zeit als Chiffre für oft ausweglose Situationen? 

Einen Versuch der künstlerischen Annäherung an das Thema zeigte Prof. Dr. Efim A. Rezvan, Sankt Petersburg (Museum Peter the Great / Kunstkamera) mit seinem multimedialen und interaktiven Projekt „Jonah“, Online: http://www.kunstkamera.ru/en/news1/2013_11_15/ .

Das Projekt zeigte in der Auswahl und Zusammenstellung der Medien eine zeiten- und kulturübergreifende Interpretation des biblischen Jonas-Mythos, wobei der Schwerpunkt der Filmdokumente einen Bezug zum 20. Jh. herstellt. Das kleine, in russischer und englischer Sprache verfaßte, bebilderte und sehr lesenswerte Begleitheft ist in Form, Farbe und Aufmachung von den formalen Kriterien russischer Reisepässe inspiriert und lädt zu einer gedanklichen Reise zwischen Zeit und Raum ein (Efim Rezvan, Паспорт Ионы/Passport of Jonah, Saint Petersburg 2012, ISBN 978-5-88431-240-1).

Daraus ergibt sich die Frage, wie man vergleichbare thematische Schwerpunkte mit künstlerischen Mitteln visualisieren kann (Video, Comic, Manga u.ä.).

Zum Vergleich für die künstlerische Gestaltung einer Sage und ihres historischen Hintergrundes sei auf den Comic der Reihe „Sturmboje“ unter dem Titel „Die Kinder von Rungholt“ (Autor: Dirk M. Jürgens, Sebastian und Matthias Kempke) aus dem Jahr 2011 verwiesen, welcher historische Ereignisse aus dem Gebiet des Wattenmeeres der deutschen Nordseeküste (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Rungholt) aufnimmt und auf das Schicksal der während der Sturmflutnacht der zweiten Marcellusflut (auch Die Grote Mandrenke genannt) im Januar 1362 ums Leben gekommenen Kinder fokussiert. Den Comic (lt. Webseiteninformation dem Genre „Horror“ zugeordnet) kann man online unter http://www.mycomics.de/comic/1307-die-kinder-von-rungholt.html einsehen. Die Printfassung ist unter www.buddelfisch.de erhältlich; sie enthält im Abspann einen Ausblick auf die Gefahren künftiger Sturmfluten im Wattenmeer.

Beide Beispiele vermitteln Anregungen, wie man alte literarische Stoffe in einen zeitgenössischen Kontext überträgt und als Erzählmodul einem Rahmen einfügt. Ähnlich arbeitete bereits Theodor Storm bei der Abfassung seiner Novelle „Eine Halligfahrt“ (1871) (online: www.zeno.org/Literatur/M/Storm+Theodor/Erzählungen/Eine+Halligfahrt), die das individuelle Schicksal zwischen Freiheitsdrang und Konvention mit der Unberechenbarkeit des Naturraumes Wattenmeer verbindet.

Im historischen Kontext bewegen sich literarische Adaptionen, die auf die ausführlichen Texte von Grabsteinen der Seefahrer aus Nordfriesland zurückgreifen können, deren Biographien sich besonders gut erschließen lassen, wenn diese Seefahrer selbst nach der Rückkehr in die Heimat ihre Autobiographie verfaßten. Hier sei beispielhaft auf die Biographie von Hark Oluvs (1708-1754) aus Amrum verwiesen. Die Quellen sind zu finden unter http://www.erzaehlende-steine.de/; https://web.archive.org/web/20120216001038/http://www.web.sdu.dk/mrh/autgerm.htm; https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2015/3/seelen-unter-segel.php#; https://de.wikipedia.org/wiki/Sprechende_Grabsteine_(Amrum); https://web.archive.org/web/20120216001038/http://www.web.sdu.dk/mrh/autgerm.htm; dazu Udo Weinbörner, Der General des Bey (Mannheim 2017, Wellhöfer Verlag) ISBN 978-3-95428-220-3 und Martin Rheinheimer, Der fremde Sohn. Hark Olufs’ Wiederkehr aus der Sklaverei (Neumünster 2001). Diese Materialien eignen sich sehr gut zur Gestaltung von Seminaren unter der Thematik des kreativen Schreibens und werden zur Zeit von mir in entsprechender Weise für die Planung einer entsprechenden Lehrveranstaltung berücksichtigt.

Die Beschäftigung mit diesen Stoffen eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für interdisziplinär angelegte sprach-, medien- und kulturwissenschaftliche Seminare unter folgenden möglichen Aspekten: lebende Mythen, Textarbeit und Design, Naturraum und Individuum, kreatives Schreiben und multimediale Visualisierung. Daraus können Anregungen gewonnen dafür werden, wie die Mythen und Märchen des Russischen Nordens (vgl. Xenia Gemp, Stepan Pissachow) in einer zeitgemäßen Form ediert, übersetzt und illustriert bzw. medial visualisiert werden könnten, um sie einer weiteren Leserschaft außerhalb Rußlands verständlich und zugänglich zu machen.

Die damit verbundenen didaktischen und künstlerischen Entscheidungen hinsichtlich einer entsprechenden Nähe oder Ferne zum Original stehen zur Diskussion.

[Gabriele Ziethen, 22.08.2019]

 

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Kasuli. Special sweets from the North. Photo: G. Ziethen, 2018